Lieblose Kindheit auflösen

Leider durften nicht alle von uns eine liebevolle Kindheit erfahren. Ob es ein extra strenger Vater war, dem man nichts recht machen konnte oder eine Mutter, die nicht für einen da war, ob man bei den Großeltern aufwuchs, dabei das Gefühl hatte, weder erwünscht noch geliebt zu werden, was allerdings durchaus auch bei den eigenen Eltern der Fall sein konnte, der Vater die Familie verließ oder Gewalt und Misshandlungen an der Tagesordnung waren – dies alles zeugte von alles andere als einer liebevollen Kindheit. Einer Kindheit, in dessen Umfeld man wenig Verständnis oder Geborgenheit erfuhr, von echter Zuneigung und dem Gefühl bedingungslos geliebt zu werden, schon mal gar nicht zu sprechen – prägt einen Menschen. Und nicht Wenige, haben damit auch als Erwachsene enorme Schwierigkeiten. Die Probleme können dabei ganz unterschiedlicher Art sein. Braucht man um dieses Thema zu lösen nun jahrelange psychologische Betreuung? Möglich. Kann man es überhaupt lösen? Machbar. Definitiv machbar ist es jedoch, dass man sich mit der Vergangenheit versöhnt. Mit Mama oder Papa, oder auch Oma oder Opa, aussöhnt. Unerheblich, ob sie noch leben, oder nicht.

Möglichkeit 1:

Du schreibst einen Brief. Darin zählst du alles auf, was dir einfällt, was dir damals nicht gefallen hat, nicht gepasst hat, dich enttäuscht hat.

Beispiel: Du warst nie für mich da. Meine Geschwister wurden immer vorgezogen. Mir hat nicht gefallen, dass du zu mir extra streng und ungerecht warst usw.

Lasse alles raus und lass dir dabei ruhig Zeit. Oft stockt es mittendrinnen, einfach, weil die Erinnerungen zu schwer wiegen. Tränen haben immer ihre Berechtigung. Dann schreib weiter. Lebt die Person noch, an die diese Zeilen gedacht war, kannst du nun überlegen, ob du ihr den Brief gibst oder schickst, ihn vorliest, ihr den Inhalt selbst sagst (jedoch ohne dabei laut zu werden und ohne Vorwürfe – Beispiel: Ich war traurig und enttäuscht, dass ich immer alleine spielen musste) oder den Brief für dich behältst. Du kannst die Person auch fragen, warum sie so gehandelt hat oder auch wie deren Kindheit war. Es ist erstaunlich, was man dabei erfahren kann. Ansonsten schreib den Brief. Einfach, um zu einem Abschluss zu kommen. Für dich. Für dein Leben, Für deinen weiteren und glücklicheren Lebensweg. Alles, was sich seit Kindestagen aufgestaut hat, ist nun heraussen. Die Knoten lösen sich. Oft macht es sogar mehr Sinn, den Brief nur für sich selbst zu schreiben. Doch auch wenn die Bezugsperson mittlerweile verstorben ist, kannst du den Brief dennoch schreiben. Entweder für dich selbst oder du gehst zum Grab und liest ihn vor. Wie du es auch handhabst, danach geht es dir deutlich besser.

Möglichkeit 2:

Diese Option ist vielleicht weniger bekannt und vielleicht etwas ungewohnt, jedoch nicht weniger wirksam. Suche dir ein Bild von einem Paar, einem Mann und einer Frau, die glücklich vereint am Foto zu sehen sind. Dies können oder sollen sogar, wildfremde Menschen zeigen.

Nun schreibt man seine Kindheit einfach um. Man stellt sich Situationen vor, die man gerne gehabt und Momente, die man sich gewunschen hätte. Reisen und gemeinsame Unternehmungen, welche man machen wollte. Man erschafft sich Erinnerungen, die an eine glückliche, liebevolle und sorgenfreie Zeit erinnern. Alleine die Vorstellung daran kann einen tief durchatmen lassen und ein Lächeln auf das Gesicht zaubern. Schmück die Details so schön wie möglich aus und füge auch jederzeit nach Tagen, Wochen oder Monaten neue Situationen hinzu. Erschaffe ein Kunstwerk. Und gib so deinem inneren Kind glücksbringende Momente und eine Zeit der Sicherheit und Geborgenheit. Eine Zeit voller echter Umarmungen und liebevollen Momenten, wie sie sich jedes Kind wünscht. Das Gefühl geliebt zu werden, um seiner selbst willen.

Mach dir dieses Geschenk!

Wie findest du diese Möglichkeiten und hast du selbst noch weitere Ideen?

Ich wünsche dir eine zufriedene und erfüllende Zeit.

6 Gedanken zu “Lieblose Kindheit auflösen

    • Gute Frage – in erster Linie sollte man meinen, dass Klienten aktiv daran mitarbeiten möchten, was leider nur Wenige machen – von daher ist schon mal schwierig – zudem passt nicht jeder Psychologe/Therapeut für jeden Menschen – und alles resultiert ja auch nicht aus der Kindheit z.b. Trauer, Verlust eines geliebten Menschen, Unfall, Krankheit… und nicht alle Therapeuten können helfen oder den richtigen Ansatz finden – und, was hat man zu verlieren, wenn man es auf oben genannte Möglichkeit versucht? Man soll deshalb ja auch nicht alles andere abbrechen, falls man schon in Behandlung ist – doch wenn es hilft – Why not? ^^ – Glg

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      • Danke für deine Antwort. Da bin ich wieder bei dir. Leider steht das in deinem Beitrag nicht.
        Ich hab die Befürchtung, dass sich Betroffene, die sich nach dem Versuch diese Tipps aus deinem Beitrag umzusetzen und dieses dann nicht gelingt, noch tiefer in die Krise rutschen, weil sie (ihrer Meinung) nach schon wieder versagt haben.

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        • Stimmt, tut mir leid. Leider gehe ich oft von mir aus, dass, wenn für mich etwas schlüssig und logisch ist, oder mir etwas bekannt ist, dies auch für alle anderen Menschen gilt. Von daher vergesse ich oft, solche Dinge extra zu erwähnen. Dankeschön. Glg Myriala

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  1. Keya schreibt:

    Ganz wundervolle Ideen- die erste Methode mache ich ein wenig abgewandelt. Mein Halbbruder hatte leider auf Grund der Umstände eine nicht ganz so sorglose Kindheit wie ich. Ab und an kommt das bei ihm hoch und er schreibt sehr verletzende Briefe an mich und meine Eltern. Ich schreibe erst einmal einen Brief, in dem ich dann so richtig Dampf und Wut ablasse, warum er mir etwas vorwirft, was nicht meine Schuld war.
    Dann fühle ich mich in ihn rein und überlege, wie ich diese Dinge so rüberbringen kann, dass es nicht ganz eskaliert. Ich zeige meine Grenzen auf und lehne die Tür an, wenn er über die Phase weg ist, kann er entscheiden, ob er sie wieder öffnen möchte.
    Als Kind (er is 14 Jahre älter als ich) habe ich mir diese Situationen sehr zu Herzen genommen. Auch wenn meine Kindheit glücklich war, hat mich das geprägt und mich leider sehr schnell reifen lassen.

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    • Danke für den lieben Beitrag. Es tut mir leid um die Kindheit deines Halbbruders, und infolge auch deiner bzw. den Konsequenzen daraus. Du hast eine wundervolle Lösung für dich/euch gefunden und ich finde es auch toll, dass die Türe nur angelehnt ist und man sie jederzeit öffnen, aber bei Bedarf dann auch schließen kann. Dampfablassen und den eigenen Gefühlen Platz geben und in Worte fassen, ist immer eine tolle Sache. Damit nimmt man dem Ganzen auch sehr viel an negativer Energie und man kommt dem Ausgleich auf harmonischer Weise näher. Habe den Beitrag nun mit einem Video aktualisiert – dieselben Worte, aber eben zum Hören und musikalisch untermalt. Ich wünsche euch eine harmonische Annäherung- ❤ Glg Myriala

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